Die bewegte Geschichte von Adolf Tellkampf und seiner Tellkampfschule in Hannover 

Im Jahr 2035 wird das Gymnasium Tellkampfschule Hannover sein 200jähriges Bestehen feiern können: Die Schule wird 1835 im Königreich Hannover als „höhere Bürgerschule“ gegründet. Erster Schulleiter ist Adolf Tellkampf (1798-1869), der auch maßgeblich die pädagogisch-didaktische Ausrichtung dieser „modernen“ Schule prägt, die einerseits klar an der gymnasialen Bildung orientiert sein und zugleich Lebenspraxis vermitteln soll: „Man muss den ganzen Menschen bilden und nicht nur lehren, was nützlich ist“, schreibt Adolf Tellkampf. 

Es handelt sich insgesamt um eine bewegte Schulgeschichte: An verschiedenen Standorten und unter unterschiedlichen Benennungen erlebt die heutige Tellkampfschule zahlreiche Systemwechsel und Kriege. Erst seit den 1970er Jahren arbeitet sie koedukativ. Heutzutage ist die Schule die einzige Einrichtung in Hannover, die abgesehen von einem Ehrengrab auf dem Friedhof Hannover-Engesohde an die hannöversche Persönlichkeit Adolf Tellkampf erinnert.

1835 gründet das Königreich Hannover eine neuartige Schule, die „höhere Bürgerschule“. Sie soll als eine Art Realschule eine Alternative zum klassischen Gymnasium darstellen, aber dennoch gymnasiale Bildung vermitteln, wenngleich mit anderen Schwerpunkten und Zielen. Die sog. höhere Bürgerschule wird am 9. Oktober 1835 ohne große Feierlichkeiten eingeweiht und zunächst provisorisch im Thierbachschen Anwesen untergebracht. Am 3.5.1854 wird das eigentliche Schulgebäude am Georgsplatz (heute Aegidientorplatz) feierlich eingeweiht und bezogen (ABB 1: Tellkampfschule 1939, Foto Fritz Keßler).
Als erster Schulleiter wird Adolf Tellkampf angefragt, der seit 1824 als Oberlehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium in Hamm/Westfalen wirkt. Tellkampf folgt dem Ruf nach Hannover und leitet diese Schule als Direktor bis zu seinem Tod 1869. Er setzt eigene Maßstäbe in pädagogischer und didaktischer Hinsicht. Gerade noch zu seinen Lebzeiten wird die Schule in „Realschule erster Ordnung“ umbenannt; seit 1882 heißt sie dann „Realgymnasium“. 1936 wird die Schule dann zu Tellkampfs Ehren in „Tellkampfschule“ umbenannt; zugleich wird sie vom Nationalsozialismus aber auch ideologisch vereinnahmt. Im Zweiten Weltkrieg wird das Schulgebäude bei einem Bombenangriff am 8./9. Oktober 1943 stark zerstört und 1954 abgerissen. Der Schulneubau am aktuellen Standort (Altenbekener Damm 83) direkt am Maschsee wird 1956 bezogen. Der neue Schulkomplex für das Gymnasium folgt dem städtebaulichen Ideal „der aufgelockerten und gegliederten Stadt“: So werden die zwei- und viergeschossigen Klassentrakte mit verglasten Pausengängen und dem eingeschossigen Verwaltungstrakt um begrünte Höfe gruppiert. Aula und Turnhallen werden - städtebaulich prägnant - am Rudolf-von–Bennigsen–Ufer als separat erschlossener Baukörper platziert. Das gesamte Schulgebäude steht heute als herausragendes Beispiel für das Bauen der 50er Jahre in Hannover unter Denkmalschutz.

Adolf Tellkampf, der erste Schulleiter der Tellkampfschule, kann als große Persönlichkeit seiner Zeit gelten, er wirkt als  Mathematiker, Didaktiker, Pädagoge, Dichter und Historiker. Er wird am 23.5.1798 in Hannover geboren. Kurz nach seiner Geburt stirbt seine Mutter. Sein Vater heiratet neu und der Lebensmittelpunkt der Familie Tellkampf verschiebt sich 1804 nach Bückeburg. Hier (und ab 1809 in Heinde bei Hildesheim) erlebt Adolf die Besetzung des napoleonischen Frankreichs. Als junger Mann meldet sich Adolf Tellkampf 1813 nach der Völkerschlacht bei Leipzig freiwillig zum Kriegsdienst in den Befreiungskriegen, 1814 wird er Offizier mit Einsätzen in Belgien und Frankreich, er kommt bis Paris. Als er 1819 entlassen wird, entscheidet er sich für eine akademische Laufbahn und schreibt sich an der Georgia Augusta in Göttingen im Fach Mathematik ein. Hier studiert er u.a. bei Carl Friedrich Gauß. Im März 1822 promoviert Tellkampf in Mathematik und lehrt bis 1824 als Privatdozent an der Georgia Augusta. Von 1824 bis 1835 wirkt er anschließend als Oberlehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium in Hamm/Westfalen; dort wird er 1834 zum Professor ernannt. Hier vermählt er sich auch 1826 mit Friederike Keller. Aus der Ehe gehen insgesamt vier Kinder hervor. Etwas später, 1829, erscheint seine vielbeachtete Schrift: „Vorschule der Mathematik“, die vielerorts als Schulbuch eingesetzt wird und insgesamt bis 1864 sechs Auflagen erlebt: „Es gelang mir, die Schüler mit der Mathematik zu befreunden, ihnen deren logische und praktische Bedeutung fühlbar zu machen und sie zu ernster Beschäftigung mit ihr zu veranlassen“, schreibt Tellkampf über seine Motivation. 1835 folgt er dem Ruf des Königreichs Hannover, Direktor einer neuartigen, höheren Bürgerschule zu werden. Diese Aufgabe übt er bis zu seinem Tod am 9.3.1869 aus. Sein Ehrengrab auf dem Friedhof Hannover-Engesohde in Hannover steht noch heute. (ABB. 2 Adolf Tellkampf, Ort, Jahr und Fotograf unbekannt).


Weiterführende Literatur

• Erdmann, Georg: Aus dem Leben des Direktors Dr. A. Tellkampf. Nach seinen handschriftlichen           „Erinnerungen aus meinem Leben“, in: 100 Jahre Realgymnasium Hannover 1835-1935, hrsg. von Karl Rühl, Hannover 1935.
• Mayer, Hermann: Adolf Tellkampf und seine Schule, Hannover 1953.
• Mounajed, René: Ein Allrounder aus Hannover. Adolf Tellkampf (1798-1869) – Wissenschaftler, Dichter, Lehrer, Schulleiter und Historiker. In: Geschichte und ihre Didaktik unterrichten, hrsg. von Marco Dräger und Sabine Horn, Frankfurt/Main 2024.
• Tellkampf, Adolf: Die höhere Bürgerschule in Hannover. Geschildert nach zehnjährigem Bestehen, Hannover 1845.
• Tellkampfschule Hannover (1998): 200 Jahre Adolf Tellkampf 1798-1998, Hannover.